Geschichtliches aus Oberthingau

Ein Doppelstraßendorf mit 250 Wohnhäusern und 880 Einwohnern.

Der Unterschied zwischen Unter- und Oberthingau erscheint erst 1357, doch dürfte er sich schon in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts, als Unterthingau eine eigene Pfarrkirche und Pfarrei erhielt, herausgebildet haben.

Mit der Entstehung des Reichs oder Königshofes in Unterthingau in der Zeit von 750- 770 erbauten die fränkischen Beamten kurze Zeit später die Reichshofkirche in Oberthingau und zum Unterhalt der Bediensteten den Reichswidenhof. Mit der Schenkung des Reichshofs Tingau und dessen Zugehör durch König Otto des Großen im Jahre 943 an das Benediktiner-Kloster Kempten setzte allmählich die Rodung und Besiedlung von Oberthingau ein, an der sich auch das Hochstift Augsburg beteiligte. Das Salbuch von 1527 nennt fünf leibfällige Gotteshausgüter, welche bis zur Säkularisierung des Stifts Kempten im Jahre 1803 noch bestanden haben. Damals zählte man 41 stiftkemptische Familien zur Pflege Thingau gehörig, unter einem stiftkemptischen Hauptmann und 27 hochstiftische Familien zum Tigen und zur Pflege Oberdorf gehörig, unter einem bischöflichen Hauptmann stehend.

1525 zählte man 61 Hofstätten ohne Rücksicht, welchen Herrn sie steuerten.

Vereinödung 1808: 55 Häuser

1867: 66 Häuser. Seit 1818 eine selbständige Gemeinde bis zur Eingemeindung am 1.1.1978 in die Marktgemeinde Unterthingau.

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Die Pfarrkirche St. Stephanus liegt auf einer schwachen Anhöhe am Ostrand des Ortes. Im 18. Jahrhundert tritt als Nebenpatron der heilige Vitus hervor. Eine Pfarrei wurde in Oberthingau nicht erst 1494 errichtet, vielmehr hält bereits das 1394 geschriebene Urbar des Stiftes Kempten die Pfarreien Nieder- und Oberthingau mit der Filiale Görisried auseinander. Das Patronatsrecht in Oberthingau stand dem Fürstabt von Kempten zu.

Die Kirche wurde im 15. Jahrhundert - Turm datiert 1496 - neu erbaut. 1681/83 gründliche Reparatur des Mauerwerkes und 1684 Anbau der Gnadenkapelle für zwei 1666 bei der Mühle von Eschenau aufgefundene Gnadenbilder, Kruzifix und Maria, welche zunächst in einem neu errichteten Ölberg bei der Pfarrkirche aufgestellt wurden.